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23.11.2015 16:28 Alter: 4 yrs

Pressemitteilung der DStatG

Keine Angst vor Zahlen und Statistik


Zum 24. Mal, am 19. und 20. November, fand in Wiesbaden das traditionelle wissenschaftliche Herbstkolloquium des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Statistischen Gesellschaft statt. Unter dem Obertitel „Statistik verstehen – Orientierung in der Informationsgesellschaft“ gingen die Referenten und ein sehr redefreudiges Publikum dabei der Frage nach, warum trotz aller Bildungsoffensiven immer noch ein so großes Defizit in einem korrekten Umgang mit Zahlen und Statistiken besteht. Wie etwa der bekannte Psychologe Gerd Gigerenzer vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in seinem Vortrag darlegte, können 70 - 80 % der Ärzte Gesundheitsstatistiken nicht verstehen und lassen sich durch die Art der Darstellung in der Bewertung von Tests und Behandlungen über Gebühr beeinflussen. Dass auch vor Gericht und in vielen anderen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft, ein verbreitetes statistisches Innumeratentum für großen Schaden sorgt, legte die Münchener Statistikerin Katharina Schüller von der Beratungsfirma Stat-Up an weiteren traurigen Beispielen dar. Nach ihrer auch vom Moderator der Veranstaltung, dem Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer, unterstützten Sicht sitzt derzeit allein in Deutschland eine große Zahl unschuldiger Menschen nur deshalb hinter Gittern, weil Richter und Staatsanwälte nicht mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen wissen. Auch das ewige Verwechseln von Korrelation und Kausalität und dessen gesellschaftliche und ökonomische Folgeschäden waren Gegenstand der Diskussion. Dass mit nur geringer Mühe Statistikbotschaften auch verständlich darzustellen sind, trugen andere Referenten vor. Einig waren sich alle Beteiligten in der mittlerweile 70 Jahre alten Einsicht des englischen Journalisten und Romanautors H.G. Wells, dass elementare Grundkenntnisse in Statistik wie Lesen und Schreiben ein einzuforderndes Muss für jeden Bürger des 21 Jahrhunderts sind.